Bettina Steinhage Life Coaching

    Gut genug? Gut genug!

    Neulich, in meinem Online-Kurs für Frauen, die ihr Leben wieder lieben wollen, kam eine ziemlich dicke Beschwerde. Dachte ich jedenfalls zuerst. Eine Teilnehmerin schaute mich kurz vor Schluss an und meinte streng: „Hey, du hast mich gar nicht gefragt, wie eigentlich meine letzte Woche war.“

    Stimmt, hatte ich nicht. Ich war nämlich davon ausgegangen, dass die Eingangsfrage, wo man gerade steht, genau darauf abzielt. Es ist wirklich unglaublich, wie viel ich selbst in diesem Online-Kurs lerne.

    Zurück zu meiner Teilnehmerin. Ich wappnete mich innerlich, denn sie ist sehr intelligent, sehr kompetent und kann dementsprechend gut den Finger in die Wunde legen. Zum Glück schaute sie eher amüsiert und erwartungsfroh als wütend. Mehr als eine kurze Nachfrage brauchte es dann auch nicht.

    „Okay, ich probiere das jetzt aus.“

    „Die letzte Woche war echt ganz schlimm anstrengend. Ich dachte schon, ich muss hier heute zum Kurs kommen und sagen, ich bin der mieseste Klient auf der Welt, weil ich nichts geschafft habe. Aber dann saß ich heute Nachmittag im Job an dieser Aufgabe, die mich schon seit Monaten beschäftigt, und dachte mir, okay, ich probiere jetzt daran diese blöde Übung aus, Gut ist gut genug.“

    Sie redet wie ein Wasserfall, aber es macht wirklich Spaß, ihr zuzuhören. Geht einem ja oft so, wenn man das Gefühl hat, man kann sich auf ein Happy-End freuen. Diese „blöde Übung“ leitet übrigens dazu an, den Perfektionismus loszulassen, damit Zeit und Energie für die schönen Seiten des Lebens bleiben. 

    „Also habe ich die Komplexität der Aufgabe immer weiter runtergebrochen und mich gefragt, wo kannst du es dir leicht machen? Welche Produzenten kommen für meinen Auftrag wirklich infrage? Was ist gut genug in dieser Situation? Und das Ergebnis ist, dass ich jetzt zum ersten Mal überhaupt dieses Produkt so kalkulieren kann, das es mit realistischen Zahlen komplett aufgeht, und wir damit nun in den Markt gehen können.“

    Ein hervorragendes Ergebnis

    Ganz kurz schweigt sie und grinst. „Und damit habe ich endlich diese Aufgabe erfüllt, und das Ergebnis ist wirklich hervorragend. Eigentlich denkt man ja, ‚Gut ist gut genug‘ wäre ein Runtergraden, ich müsste mich also auf Kompromisse einlassen, aber das Gegenteil ist der Fall. Denn für heute habe ich ein Ergebnis, das ich tatsächlich jetzt realisieren kann! Und das ist so viel besser als eins, was ich dann vielleicht irgendwann in fünf Jahren perfekt umsetzen könnte.“

    Ihre Begeisterung und Erleichterung erfüllen den Monitor und mein Herz, es ist klar, dass das wirklich etwas für sie verändert hat. Jetzt kommt sie nämlich zum Kern der Sache.

    „Und das eigentlich Schöne daran war nicht, dass ich mich darüber freuen kann, dass diese Sache endlich abgeschlossen ist – also, das auch, das hat mir den Tag gerettet –, sondern diese Kombination aus ‚was ist gut genug?‘ und ‚mach es dir leicht, das ist in Ordnung‘. Dass das funktioniert und ich das auch gemerkt habe, damit habe ich mir echt den allergrößten Gefallen getan. Krass.“

    Und was wäre, wenn …?

    Wir halten kurz inne, um den Moment zu würdigen. Ich stelle fest, wie dankbar ich bin, dass sie diesen Erfolg mit mir geteilt hat. Denn ich habe nicht nur gelernt, welche Fragen ich zur Einleitung an meine Teilnehmerin stellen sollte, sondern mir wurde auch wieder einmal bewusst, welche Frage an mich geht. Schließlich kam gar keine Beschwerde, wie ich zuerst erwartet hatte, meine Klientin kann stattdessen von einem echten Durchbruch berichten.

    Meine Frage lautet also: „Was ist, wenn du gut genug bist? Nein, was ist, wenn wir alle gut genug sind?“ Wie fühlt es sich an, wenn ich mir vertraue? Wenn wir alle uns vertrauen? Was wäre dann möglich?

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