Wie Nostalgie zum Wegweiser werden kann

Ich bin eine große Freundin von Coaching im Gehen. Zusammen mit dem Körper kommen unsere Gedanken sanft in den Fluss: Es entstehen neue Verbindungen, ungeahnte Perspektiven, und oft melden sich plötzlich ungeahnte Erkenntnisse und Lösungen. Manchmal erscheint das geradezu magisch. Und weil ich in Bremen noch recht neu bin, gehört das Erkunden von Parks für diese Walk-and-Talk-Sessions tatsächlich gerade zu meinen durchaus wichtigen Aufgaben als Coachin.

Es gibt wirklich sehr viel Schlimmeres im Leben, das muss ich zugeben.

Eine unerwartete Zeitreise

Letzte Woche war es wieder so weit. Es war viel zu warm, um drinnen zu brüten, und ein bisschen Abkühlung unter Bäumen schadet nie. Ich mache mich also auf, biege auf dem Weg zur Weser um eine Ecke, sehe ein Haus – und bin von einer Sekunde auf die andere nicht mehr hier, sondern im Familienurlaub, so gefühlt acht Jahre alt. Bäm!

Das war kein wehmütiger Moment, kein trauriges „Ach, damals war alles besser“. Stattdessen musste ich lächeln und fühlte mich einen Augenblick wieder ganz wie früher (frech war sie, die kleine Bettina, frech und neugierig). Ein schönes Gefühl.

Nostalgie und unser Ich

Nostalgie kann das ziemlich gut, uns an Zeiten erinnern, in denen wir uns ganz bei uns selbst gefühlt haben. Sie eröffnet uns so Zugang auf Eigenschaften und Versionen von uns, die wir schon lange vergessen oder vielleicht auch bewusst (ein-)geglättet haben. Wenn wir sie gut zu nutzen wissen und sie nicht nur als verklärte Erinnerung feiern, kann sie uns als Wegweiser zu einem Leben dienen, das sich auch im Heute viel stimmiger anfühlen kann. Denn wir müssen uns nicht komplett neu erschaffen – schließlich wissen wir, dass wir das schon einmal gelebt haben und nur den verschütteten Zugang wieder offenlegen müssen. Wenn ich früher frech und neugierig oder vielleicht auch kreativ war, kann ich mich heute wieder besser und schneller darauf einlassen. Ich weiß, wie ich einen Pinsel zu halten habe oder wie eine Pointe im schlagfertigen Gespräch sitzen muss.

Zeitreisen und andere Genussmomente

Nostalgie kann allerdings noch etwas, und das ist ziemlich genial: Uns ganz federleicht und unkompliziert zu Dingen führen, die uns schon früher Freude und Genuss bereitet haben (und war diese Unbeschwertheit damals nicht auch meist ein Teil von uns?). Vielleicht möchte ich wie früher die halbe Nacht durchtanzen oder meinem Lauftalent freie Bahn geben? Endlich wieder zum Wandern gehen statt gediegen zum Städteurlaub?
Aber so groß muss es gar nicht sein. Ich habe mir an diesem heißen Julinachmittag in Bremen einfach beim nächsten Kiosk ein Capri-Eis gekauft. Am Stiel, der Klassiker. Und ja, es hat genauso nach Sommer pur geschmeckt wie früher.

Und nicht zuletzt deswegen frage ich meine Klientinnen sofort, wenn sie sich mehr Leichtigkeit im Leben wünschen: Was hast du früher richtig gern gemacht? Und wie kannst du es dir unkompliziert wieder in dein Hier und Jetzt holen?
Wenn sie dabei auf eine frühere Version von sich selbst stoßen – und das tun sie meist –, umso besser.

Möchtest du mit mir über mehr Freiräume in deinem Leben reden? Dann kannst du dir hier ein Erstgespräch buchen.

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Foto von der Schaukel: Matthew Bornhorst auf Unsplash, Foto von der kleinen Bettina: mein Papa

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