Weg von hier ist dir wohin genug?

„Einfach kündigen.“ „Auswandern.“ oder auch „Aufs Land ziehen, einen Bauernhof kaufen und endlich im Einklang mit der Natur leben.“

Diese Sätze höre ich im Coaching immer wieder. Manchmal als echter Plan — und ja, ich habe Klientinnen begleitet, die dann tatsächlich gekündigt haben oder ausgewandert sind (den Bauernhof hatte ich noch nicht, zugegeben).

Manchmal aber auch einfach als Seufzer. Als Fantasie vom kompletten Neuanfang, vom endlich richtigen Leben, das nur auf sie wartet, wenn sie sich bloß auf den Weg machen, es auch zu suchen.

In Romanen wird genau das gern als Mut gefeiert: die Protagonistin, die alles hinschmeißt und von vorne anfängt. In meiner Zeit als Lektorin bin ich diesem Motiv oft begegnet — und habe irgendwann angefangen, es infrage zu stellen.

Radikaler Neuanfang oder vielleicht doch Flucht?

Dabei ging es mir gar nicht um den radikalen Aufbruch an sich, den Part mochte ich nämlich immer ziemlich gern. Mir ging (und geht) es um die Haltung zur eigenen Vergangenheit. Denn die wurde dabei oft abgewertet, als „Verschwendung“ dargestellt. „Hätte ich nur damals bloß schon …“ – ohne daran zu denken, dass es für den Weg von A nach C vielleicht auch B braucht. Und deswegen wollte ich das irgendwann nicht mehr mitmachen. Denn ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass wir uns den falschen Fragen zuwenden.

Die Frage ist nicht: Wie komme ich hier raus? Und zwar so schnell und so weit wie möglich?

Die Frage lautet stattdessen: Was nehme ich mit?

Wenn du gehst, weil du weglaufen willst, kannst du das Gute nicht mitnehmen. Wenn du gehst, weil du weißt, dass eine Phase gut oder zumindest okay war, sie aber jetzt vorbei sein sollte, gehst du leicht — und hast dazu noch die Chance, alles mitzunehmen, was du auch in Zukunft brauchst.

Eine Tür in die Zukunft

„Damals war das richtig“ ist beim Blick auf deine Vergangenheit kein Schönreden, kein billiger Trost. Für mich ist es vielmehr ein Zeichen von Reife, wenn wir uns vom Traum des einzig wahren echten Lebens verabschieden. Zumindest ein Stück weit.

Viele Frauen, die ich begleite, kämpfen genau damit: auch die positiven Seiten der letzten Phase anzuerkennen und sie gleichzeitig aufgeben zu wollen. Solange die Vergangenheit aber nur dein Feind ist, kostet der Abschied viel Energie. Meistens viel zu viel. Schließlich läufst du dann Gefahr, dir wieder eine neue Vergangenheit zu erschaffen, die du in ein paar Jahren auch wieder nur als schlecht begreifst.

Für mich jedenfalls war die Frage: „Was will ich denn mitnehmen?“, der Türöffner für alles, was danach passiert ist. Sie half mir, mich auf das Positive zu konzentrieren, auf das, was ich für mein gutes Leben brauche. Vielleicht konnte ich nicht alles mitnehmen, aber doch viel mehr, als ich zuerst geglaubt habe. Und – vielleicht noch entscheidender – sie half mir, überhaupt in Bewegung zu kommen.

Du möchtest mit mir darüber reden, wie du deine Ziele auch tatsächlich umsetzt? Dann freue ich mich, wenn du dich bei mir meldest.

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